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Geschichte des Institutes

Das 19. Jahrhundert war geprägt von Seuchen, deren genaue Ursachen noch weitgehend unklar waren und daher ein Streit zwischen Anhängern der Miasmen- und der Kontagientheorie entbrannt war. In der Folge wurde 1865 in München das erste Hygiene-Institut im deutsch-sprachigen Raum gegründet.

Das Göttinger Institut wurde dann 1883 von Prof. Dr. Carl Flügge (1883-1887, s. Foto)
als erstes Hygiene-Institut in Preußen gegründet und hatte seinen Standort noch in der Kurze Geismarstr. 11. Er war Schüler von Max von Pettenkofer und Robert Koch und konnte die Kluft zwischen den beiden Lehrmeinungen schließen: Sowohl Umwelteinflüsse als auch Bakterien sind an der Entstehung von Krankheiten beteiligt. Seinem Doktoranden Arthur Nicolaier gelang es, die Ätiologie des Tetanus‘ aufzuklären.

Unter Prof. Dr. Gustav Wolffhügel (1887-1899, s. Foto), ebenfalls ein Schüler Pettenkofers, erfolgte der Umzug des Instituts in die Geiststr. 4. 

Sein Nachfolger war Prof. Dr. Erwin von Esmarch (1899-1911) siehe Foto, ein Schüler von Robert Koch und Sohn des berühmten Chirurgen Friedrich von Esmarch. Ihm gelang die Aufnahme des neugegründeten Medizinaluntersuchungsamts in die Räumlichkeiten des Instituts. Zu seinen Forschungserrungenschaften zählen die quantitative Bestimmung von Bacterium coli im Wasser (Göttinger Verfahren) und die Agglutination und Identifizierung von Typhusbakterien.

Ihm folgte Prof. Dr. Hans Reichenbach (1911-1934), der bereits vorher im Institut tätig war und 1926 die Göttinger MTA-Schule gründete.  

Unter Prof. Dr. Franz Schütz (1934-1945 und 1950-1955) erfolgte 1940 der Umzug des Instituts an seinen jetzigen Standort, den Kreuzbergring 57. Bei diesem Gebäude handelte es sich um das ehemalige Waisenhaus der Stadt Göttingen, das in späteren Jahren als Wohnheim für Schwesternschülerinnen genutzt wurde und dann bis 1940 als Haus der Hitlerjugend fungierte. Unter Franz Schütz wurde das Elektronenmikroskop ab 1950 auch zum Nachweis von Polioviren eingesetzt. Seine Mitarbeiter führten vielfältige Forschungsarbeiten durch, zu denen auch Typhus und die Sporulation von Milzbrandbakterien gehörte. 

Prof. Dr. T.J. Bürgers hatte die Institutsleitung in der Zeit von 1945 bis 1950 inne. Er initiierte die Gründung der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) und schaffte das erste Elektronenmikroskop Niedersachsens an, um die Sporenentwicklung von Milzbrandbakterien zu untersuchen. Prof. Dr. Henning Brandis (1957-1967) beschäftigte sich mit Bakteriophagen und der Lysotypisierung von Salmonellen. Schon früh widmete er sich der Antibiotikaresistenz bei verschiedenen Bakterien, u.a. auch bei MRSA.

Unter Prof. Dr. Reiner Thomssen (1968-1999) wurde mit virologischen Themen v.a. zu Röteln, Hepatitis- und Papillomaviren ein neuer wissenschaftlicher Schwerpunkt des Instituts gesetzt. Unter seinem Mitarbeiter Prof. Dr. Reinhard Rüchel erfolgte ein Aufbau der Mykologie. 1973 erfolgte zunächst eine Trennung des Lehrstuhls in Medizinische Mikrobiologie und Allgemeine Hygiene/Tropenhygiene (Prof. Dr. Wolfgang Bommer) und 1979 dann eine Abtrennung der Immunologie (Prof. Dr. Otto Götze).


Seit 1999 steht das Institut unter Leitung von Prof. Dr. Uwe Groß. In Folge der Corona-Pandemie wurde die Denomination 2022 in Institut für Medizinische Mikrobiologie und Virologie erweitert.

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